Stand: Oktober 2026. Alle Zahlen mit Quelle und Abrufdatum findest du unter Quellen und Methodik. Zahlen ohne Quelle sind als Erfahrungswert, Bandbreite oder Annahme gekennzeichnet.
Das Wichtigste in Kürze
Ja, du kannst einen ganzen Campingplatz kaufen: Grundstück, Gebäude, Genehmigungen und laufende Verträge gehen dann auf dich über. In einer CampingJobs-Auswertung von rund 80 öffentlichen Inseraten (04.10.2026) lag der Median-Angebotspreis bei rund 1,4 Mio. € für rund 120 Stellplätze, grob 10.000 bis 13.000 € je Stellplatz; tatsächlich gezahlt wird erfahrungsgemäß 10 bis 20 % weniger.
- Eigenkapital: 30 bis 40 % inklusive eigenkapitalähnlicher Mittel. Die oft genannten 15 bis 20 % reichen nur mit Förderkredit, Bürgschaft oder Verkäuferdarlehen.
- Kaufnebenkosten: 6 bis 14 %.
- Bank: Der Gewinn nach deinem eigenen Lohn muss Zins und Tilgung mindestens 1,2-fach decken.
- Dauer: im Beispiel-Zeitplan gut ein Jahr von der Besichtigung bis zur Übergabe.
- Prüfen: genehmigte Stellplätze, Investitionsstau und Hochwasser.
Was du kaufst und ob es sich rechnet
Du kaufst nicht nur eine Wiese mit Stromsäulen, sondern Grundstücke, Gebäude, Technik, Genehmigungen mit allen Auflagen und laufende Verträge. Beim Asset Deal, also dem Kauf der einzelnen Wirtschaftsgüter, gehen auch die Arbeitsverhältnisse über (§ 613a BGB).[1]
Lohnt sich ein Campingplatz?
Ob sich ein bestimmter Campingplatz lohnt, entscheidet der Preis, den du dafür zahlst. Die Nachfrage der Gäste ist hoch: 2025 gab es in Deutschland 44,7 Mio. Camping-Übernachtungen, 24,9 % mehr als 2019.[2] Im ersten Halbjahr 2026 waren es 1,1 % weniger als im Vorjahreszeitraum.[3]
Laut BVCD-Campingstudie Brandenburg lag der Umsatz 2022 im Median bei 515.000 €. Nach den Betriebskosten blieben im Median 29,0 % des Umsatzes übrig.[4] Davon gehen noch dein Lohn, die Instandhaltung sowie Zins und Tilgung ab.
Verkäufer:innen arbeiten oft selbst mit, nicht selten sieben Tage die Woche. Diese Stunden stecken unbezahlt im Gewinn. Rechne deshalb mindestens 80.000 € Unternehmerlohn für zwei Personen ein (Annahme) oder das Gehalt einer angestellten Betriebsleitung, laut Entgeltatlas grob 55.000 bis 69.000 € brutto im Jahr.[5]
Was kostet ein Campingplatz?
In der CampingJobs-Auswertung lag der Median-Angebotspreis bei rund 1,4 Mio. € für rund 120 Stellplätze, grob 10.000 bis 13.000 € je Stellplatz (Bandbreite). Kleine Plätze werden je Stellplatz oft teurer angeboten als große, obwohl sie wegen des festen Unternehmerlohns weniger Kaufpreis tragen. Gezahlt wird 10 bis 20 % weniger (Erfahrungswert, kleine Fallzahl).
Angebotspreis, Wert und finanzierbarer Preis
Der Angebotspreis ist der Wunsch der Verkäuferseite. Der Wert steht im Gutachten. Der finanzierbare Preis ist das, was Ertrag, Eigenkapital und Bank zulassen. Den Wert eines laufenden Platzes ermitteln Sachverständige meist im Ertragswertverfahren nach der Immobilienwertermittlungsverordnung.[6] Eine Fachveröffentlichung nannte für Campingplätze 5,5 bis 7,5 % Liegenschaftszins, mit Daten aus der Zeit vor der Zinswende.[7]
So rechnet die Bank
Die Bank fragt nicht, was der Campingplatz wert ist, sondern welchen Kredit sein Ertrag sicher trägt. Sie prüft drei Grenzen, und die niedrigste bestimmt den Preis:
- Kapitaldienst: Der freie Cashflow nach Unternehmerlohn und Instandhaltung muss Zins und Tilgung mindestens 1,20- bis 1,35-fach decken.[8][9]
- Eigenkapital: Es muss die geforderte Quote von Kaufpreis plus Nebenkosten abdecken.
- Beleihung: Banken rechnen mit einem vorsichtigen Beleihungswert, nicht mit dem Kaufpreis.[10][11] Für Freizeitimmobilien gilt dabei ein Kapitalisierungszins von mindestens 7,0 %, verbindlich für Pfandbriefbanken.[12] Campingplätze nennt die Beleihungswertermittlungsverordnung nicht ausdrücklich, in der Praxis werden sie aber so eingeordnet.
Im Standardfall des Rechners trägt 1 € nachhaltiger freier Cashflow rund 13 € Kaufpreis.
Kaufpreis-Rechner: Welchen Preis trägt der Campingplatz?
Rechne selbst mit deinen Zahlen
Der Rechner zeigt den höchsten Kaufpreis, den Ertrag und Eigenkapital nach der Logik der Bank tragen. Alle Standardwerte sind Annahmen mit Begründung im Hinweis. Ersetze sie durch die Zahlen deines Zielplatzes. Nichts wird gespeichert oder versendet.
Tragbarer Kaufpreis
rund 1.241.000 €
Grenze: Kapitaldienst
- Freier Cashflow vor Kapitaldienst
- 95.000 €
- Kapitaldienst pro Jahr (Zins und Tilgung)
- 76.000 €
- Kredit
- 947.128 €
- Gesamtinvestition inklusive Nebenkosten
- 1.353.040 €
- Nötiges Eigenkapital inklusive Nebenkosten
- 405.912 €
- Kapitaldienstdeckung beim tragbaren Preis
- 1,25
- Vielfaches des Umsatzes
- 2,48
- Kaufpreis je Euro freien Cashflows
- 13,07
- Anfangsrendite
- 7,65 %
- Kapitaldienst in % vom Umsatz
- 15,2 %
- Umsatz je Stellplatz
- 4.167 €
- Kaufpreis je Stellplatz
- 10.344 €
Stresstest
- Umsatz −15 % bei gleichen Kosten
- Deckung 0,26
- Zins +1,5 Prozentpunkte über die gesamte Laufzeit
- Deckung 1,11
- Instandhaltung × 1,3
- Deckung 1,15
Plane eine Reserve von 56.000 € oder tilgungsfreie Anlaufjahre ein.
Hinweise
Keine Auffälligkeiten bei den Eingaben.
Modellrechnung mit Annahmen. Kein Wertgutachten, kein Finanzierungsangebot, ersetzt keine Bankprüfung. Der Rechner nutzt eine jährliche Annuität; bei Monatsraten ist der Kapitaldienst bei 5 % und 20 Jahren um rund 1,3 % niedriger. Die Beleihungsgrenze der Bank (grob 42 bis 72 % des Kaufpreises als besicherter Kredit) bildet der Rechner nicht ab. Die Lücke schließen Eigenkapital, Förderkredite, Bürgschaft oder Verkäuferdarlehen.
Zum Stresstest: Die Frage lautet nicht, ob der Preis das schlechte Jahr allein trägt, sondern ob genug Puffer da ist: eine Reserve, tilgungsfreie Anlaufjahre und für die Vorsaison ein Kontokorrent, also ein Dispositionskredit für das Geschäftskonto.
Kaufnebenkosten
Zum Kaufpreis kommen je nach Bundesland rund 6 bis 14 % Nebenkosten (Bandbreite, eigene Rechnung), vor allem 3,5 bis 6,5 % Grunderwerbsteuer.[13] Sie fällt nur auf Grund und Gebäude an, nicht auf Betriebsvorrichtungen und bewegliches Inventar.[14] Deshalb lohnt eine realistische Kaufpreisaufteilung. Notar und Grundbuch kosten rund 1,5 bis 2 %.[15]
Kaufen, pachten oder anders einsteigen
Für einen Kauf brauchst du meist 30 bis 40 % der Gesamtinvestition aus Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Mitteln.[8] Wer das nicht hat, kann pachten oder erst eine Leitung übernehmen. Die Wege im Überblick:
- Kauf: meist als Asset Deal. Steckt der Campingplatz in einer Gesellschaft, kannst du auch Anteile kaufen (Share Deal).
- Pacht: wenig Kapital, aber kein Eigentum, und du investierst in fremden Grund. Läuft der Vertrag länger als ein Jahr, braucht er seit 2025 die Textform.[16]
- Pacht mit Kaufoption: Du siehst ein bis drei Saisons lang echte Zahlen, bevor du kaufst. Verpflichtet die Option die Eigentümerseite zum Verkauf, lass sie notariell beurkunden.[17]
- Erst Leitung übernehmen: Passt, wenn dir Branchenerfahrung fehlt. Als Betriebsleitung lernst du Zahlen, Saison und Team kennen, verdienst ein Gehalt und baust eine Historie auf, die später auch die Bank überzeugt (Stellen in der Betriebsleitung, Ratgeber Wie werde ich Campingplatzmanager:in?).
Partner- und Gründerprogramme
Weiterbildungen, Beratung und Programme mit Begleitung unterscheiden sich stark in Kosten und Bindung (alphabetisch, keine Rangfolge, Stand Oktober 2026):
- BVCD-Beratungspool und Wirtschaftlichkeitsanalyse: Beratung und Bewertung über den Bundesverband der Campingwirtschaft. Bindung: je Auftrag. Kosten: beim BVCD erfragen.
- Deutscher Campingdienst: Vermittler, hilft laut Seite bei Finanzierung und Gutachtersuche. Bindung: je nach Maklervertrag. Kosten: Provision 3,57 %; wer sie zahlt, geht aus der Seite nicht eindeutig hervor.
- Friday Gründerprogramm: Franchise-Programm mit Begleitung bei Suche, Finanzierung, Kauf oder Pacht und Betrieb eines Naturcampingplatzes. Bindung: Partnervertrag. Kosten: siehe unten.
- IHK-Lehrgang „Camping- und Ferienparkmanager IHK“: mehrtägige Weiterbildung der Tourismus-Akademie Nordschwarzwald. Bindung: keine über den Lehrgang hinaus. Kosten: beim Anbieter erfragen.
- Regionalpartner von nexxt-change (u. a. IHK und HWK) finden: Nachfolgeberatung mit Erstgespräch und Tragfähigkeitsbescheinigung. Bindung: keine. Kosten: Erstgespräch kostenlos.
Ein Beispiel für ein Programm mit Begleitung ist das Gründerprogramm von Friday.[18] Es richtet sich an Menschen, die einen Naturcampingplatz in Deutschland mit bis zu 300 Stellplätzen selbst führen wollen, allein oder zu zweit, in der Saison vor Ort und mit mindestens 50.000 € Eigenkapital (zu zweit zusammen).
Laut Programmseite begleitet Friday den ganzen Weg: bei der Suche nach einem passenden Platz, bei Bewertung, Verhandlung und Verträgen, beim Businessplan, bei den Bankgesprächen und bei der Suche nach Investor:innen. Für den Betrieb bekommst du Website, Online-Buchung und Bezahlung, die Anbindung an Buchungsportale, Marketing über die Friday-Kanäle, automatische Gäste-Mails und eine Telefon-KI, ein Betriebshandbuch, Musterverträge und ein laufendes Reporting. Weitere Leistungen wie Buchhaltung, erweiterten Kundenservice oder lokale Werbung kannst du dazubuchen.
Die Kosten laut Programmseite, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer: bis zum Auswahlgespräch 0 €, im Programm 2.500 € pro Programmjahr, nach Kauf oder Pacht 7.500 € für den Einstieg (Onboarding), davon 3.000 € für Schilder und den Friday-Auftritt auf dem Platz, danach laufend 5 % Franchisegebühr und 1,5 % Werbepauschale vom Nettoumsatz. Dem stehen Leistungen gegenüber, die du als Einzelbetrieb sonst selbst einkaufen oder aufbauen müsstest, und eine Marke, unter der Gäste gezielt buchen.
Wo du Campingplätze zum Kauf findest
Die meisten Campingplätze werden über Spezialmakler, Nachfolgebörsen und Immobilienportale angeboten, viele aber nie öffentlich. Portale zeigen unter „campingplatz kaufen“ viele Parzellen und Mobilheime. Ganze Betriebe findest du eher in den Gewerbe-Rubriken.

Die Anlaufstellen im Überblick
- Spezialmakler und Plattformen: 3flags-port, ACSI Broker Services, CampConsult, Deutscher Campingdienst, IIM
- Nachfolge- und Unternehmensbörsen: biz-trade, DUB Unternehmensbörse, IHK-Nachfolgebörsen (Beispiel IHK München), nexxt-change
- Immobilienportale: camping-te-koop.com, hotelimmobilien.pachten-kaufen.de, ImmoScout24 (Gewerbe-Rubrik), Kleinanzeigen (Gewerbeimmobilien)
- Verbände: BVCD-Verkaufsportal. Über die Landesverbände erfährst du oft früh von Plätzen, die eine Nachfolge suchen.
- Öffentliche Verfahren: service.bund.de für Ausschreibungen und das ZVG-Portal für Zwangsversteigerungen
Auswahl, Stand Oktober 2026, ohne Empfehlung einzelner Anbieter. Innerhalb jeder Gruppe steht alles alphabetisch.
Kaufgesuch aufgeben
Ein eigenes Gesuch bringt dich an Plätze, die nie öffentlich inseriert werden, etwa über die kostenlose Kaufgesuch-Funktion von nexxt-change, bei Spezialmaklern oder als Kleinanzeige. Schreib persönlich: Viele gleichlautende Anfragen erhöhen die Preiserwartung (Erfahrungswert).
Kommunale Ausschreibungen
Verkäufe und Verpachtungen von Gemeinden erscheinen oft nur auf der Website der Gemeinde, im Amtsblatt oder in der Lokalpresse. Bewertet werden oft Konzept, Preis und Investitionszusage gemeinsam, wie das Beispiel Bostalsee zeigt.[19]
Der Weg zum eigenen Campingplatz in acht Phasen
Ein Campingplatzkauf läuft in acht Phasen, vom Suchprofil bis zur ersten Saison.
- Orientieren Kläre, ob ein eigener Campingplatz dein Weg ist, und lege Rolle, Region, Konzept, Eigenkapital und Partner:innen fest. Ergebnis ist dein Suchprofil.
- Rahmen klären Sprich früh mit Bank, Kammer und Förderberatung. Rechne aus, welchen Preis Ertrag und Eigenkapital tragen, und wähle den passenden Weg.
- Suchen Nutze Börsen, Maklerbüros, Kommunen, dein Netzwerk und ein eigenes Kaufgesuch. Ergebnis ist eine Liste geeigneter Plätze.
- Prüfen und bewerten Mit einer Vertraulichkeitsvereinbarung bekommst du Zahlen und Unterlagen. Besichtige in der Saison und außerhalb und rechne die drei Grenzen der Bank durch.
- Angebot und Due Diligence Die Absichtserklärung (Letter of Intent, LOI) regelt Preisrahmen, Exklusivität und Finanzierungsvorbehalt. Danach lässt du Recht, Steuern, Technik und Umwelt gründlich prüfen (Due Diligence).
- Finanzierung sichern Beantrage Förderung vor dem Kaufvertrag. Ergebnis sind schriftliche Kredit- und Förderzusagen.
- Kaufvertrag und Notar Grundstückskäufe brauchen die notarielle Form (§ 311b BGB).[17] In den Vertrag gehören Kaufpreisaufteilung, Garantien und Übergaberegeln. Danach hat die Gemeinde bis zu drei Monate, um über ihr Vorkaufsrecht (§ 24 BauGB)[20] zu entscheiden (§ 28 Abs. 2 BauGB).
- Übergabe und erste Saison Lege den Stichtag in die Nebensaison und halte im Übergabeprotokoll Inventur, Zählerstände, Schlüssel und Kassenabschluss fest. Such dein Team, bevor die ersten Gäste kommen.

Personal ist in der Praxis der Engpass. Offene Stellen findest du in den aktuellen Stellenanzeigen der Campingbranche, eine eigene Anzeige schaltest du über Stelle inserieren.
Finanzierung: die Grundlagen
Eine Kauffinanzierung besteht meist aus Eigenkapital, einem Hausbankdarlehen mit Grundschuld, Förderkrediten und oft einem Verkäuferdarlehen. Entscheidend ist die Reihenfolge.

Wie viel Eigenkapital du brauchst
Realistisch planst du mit 30 bis 40 % von Kaufpreis plus Nebenkosten, eigenkapitalähnliche Mittel eingerechnet (Erfahrungswert), und einer Reserve für die Vorsaison. Der Makler IIM nennt „etwa 30 bis 40 Prozent“.[8] PiNCAMP und sevdesk nennen 15 bis 20 %.[21][22] Das ist die Untergrenze bei sehr guter Bonität mit Förderkredit, Bürgschaft oder nachrangigem Verkäuferdarlehen.
Wie viel Kaufpreis dein Eigenkapital trägt, rechnest du so: Eigenkapital ÷ (Eigenkapitalquote × 1,09), bei 9 % Nebenkosten. Mit 150.000 € und 30 % Quote sind das rund 459.000 €, mit 300.000 € rund 917.000 €. Zusätzlich muss der Ertrag Zins und Tilgung tragen; die niedrigere Grenze gilt.
Hausbank, Förderkredit, Bürgschaft
- Hausbank: Den Immobilienanteil finanzieren Banken meist über 15 bis 20 Jahre mit 10 Jahren Zinsbindung (Erfahrungswert). Plane mit 4 bis 5,5 % Zins und einem Stresstest (Annahme).
- ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077): bis 500.000 € je Antragsteller:in, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten, mit tilgungsfreien Anlaufjahren. Die Bürgschaftsbank übernimmt eine Garantie über 100 %. Ein Paar kann zweimal beantragen.[23][24]
- Bürgschaftsbanken bürgen bis 80 % eines Kredits, bis 2 Mio. € je Fall.[25] In manchen Ländern holst du dir die Zusage vorab und gehst damit zur Bank (Bürgschaft ohne Bank).
- Verkäuferdarlehen: erfahrungsgemäß 10 bis 30 % des Kaufpreises über 3 bis 10 Jahre. Ist es nachrangig (im Ernstfall wird es erst nach der Bank bedient), werten manche Banken es als wirtschaftliches Eigenkapital.
Die richtige Reihenfolge
Schließ den Kaufvertrag erst nach der Förderzusage oder mit aufschiebender Bedingung, also so, dass er erst mit der Zusage wirksam wird. Zuschüsse wie die GRW gibt es meist für Investitionen nach dem Kauf.[26] Beantrage sie vor der Auftragsvergabe.
Worauf achten: Checkliste mit den zehn wichtigsten Prüfpunkten
Prüf jeden Punkt mit einer zweiten Quelle gegen, etwa mit Bank, Behörde oder Buchungssoftware.

- Genehmigte Stellplätze: Zähle Stellplätze, Mobilheime und Gebäude und vergleiche sie mit der Bauakte.
- Bebauungsplan: Ein Campingplatz braucht regelmäßig einen Bebauungsplan mit einem Sondergebiet Camping (§ 10 BauNVO).[27] Im Außenbereich ist ein Campingplatz baurechtlich nicht begünstigt (§ 35 BauGB).[28] Bestandsschutz reicht nur so weit wie die Genehmigung.
- Zahlen: Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre mit Kontennachweis, abgeglichen mit den Belegungsdaten der Buchungssoftware. Eine BWA allein reicht nicht.
- Unternehmerlohn: Rechne den Gewinn nach einem angemessenen Lohn für dich oder eine angestellte Leitung.
- Investitionsstau: Lass Sanitär, Elektro, Wasser und Abwasser von Fachleuten prüfen und mit Angeboten beziffern. Plane Instandhaltung von mindestens 4 % vom Umsatz ein, bei Altbestand eher 6 bis 7 % (Erfahrungswert).
- Hochwasser: Prüf die Lage zu festgesetzten Überschwemmungsgebieten (§ 76 WHG).[29] Frag die ZÜRS-Klasse (das Zonierungssystem der Versicherer für Überschwemmungsrisiken) ab und hol ein Angebot für eine Elementarversicherung ein.
- Dauerwohnen: Es ist auf Campingplätzen planungsrechtlich in aller Regel unzulässig.[30] Lass dir schriftlich bestätigen, ob und wie viele Fälle es gibt. Ob du selbst als Betreiber:in auf dem Gelände wohnen darfst, hängt vom Bebauungsplan und von der Baugenehmigung ab. Klär das mit dem Bauamt.
- Dauercamper-Verträge: Sie gehen auf dich über, sobald du im Grundbuch stehst.[31] Lies Laufzeiten, Entgelte, Kautionen und Regeln für Anbauten.
- Abwasser: Die Einleiterlaubnis geht mit der Anlage über, kann aber befristet sein (§ 8 Abs. 4 WHG).[32] Prüf, ob die Kläranlage die Spitze im August schafft.
- Steuern: Beim Asset Deal haftest du für bestimmte Betriebssteuern der bisherigen Inhaber:innen (§ 75 AO).[33] Verlange eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts.
Die häufigsten Fehler
Die meisten Fehler passieren nicht beim Notar, sondern Monate vorher (Erfahrungswerte):
- Erst verlieben, dann rechnen. Rechne den tragbaren Preis, bevor du Pläne machst.
- Den eigenen Lohn vergessen. Ohne Unternehmerlohn wirkt jeder Platz profitabel.
- Das Rekordjahr als Normaljahr ansetzen. Die Bank rechnet mit dem Durchschnitt.
- Förderung nach dem Vertrag beantragen. Dann ist es meist zu spät.
- Nebenkosten und Anlaufliquidität vergessen. Rechne 6 bis 14 % plus Reserve.
- Personal als Selbstläufer sehen. Das Team ist der Engpass.
Übernahme-Check: Wo stehst du?
Im NachfolgeHub sind Werkzeuge für alle acht Phasen vorgesehen.
Dein nächster Schritt: Rechne im Kaufpreis-Rechner aus, welchen Preis Ertrag und Eigenkapital tragen. Welcher Weg passt zu dir? Mach den Übernahme-Check.
Dein Übernahme-Check
Beantworte die kurzen Fragen und erhalte direkt eine persönliche Orientierung.
Häufige Fragen
Was kostet ein kompletter Campingplatz?
In einer CampingJobs-Auswertung von rund 80 öffentlichen Inseraten (04.10.2026) lag der Median-Angebotspreis bei rund 1,4 Mio. € für rund 120 Stellplätze, grob 10.000 bis 13.000 € je Stellplatz. Einfache Plätze werden ab rund 3.500 € je Stellplatz angeboten, Premiumplätze für über 20.000 €. Angebotspreise sind keine Kaufpreise: Tatsächlich gezahlt wird erfahrungsgemäß 10 bis 20 % weniger.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für den Kauf eines Campingplatzes?
Plane mit 30 bis 40 % von Kaufpreis plus Nebenkosten aus eigenen und eigenkapitalähnlichen Mitteln. Mit ERP-Förderkredit, Bürgschaft oder nachrangigem Verkäuferdarlehen kann dein eigener Baranteil in Richtung 15 bis 20 % sinken. Dazu kommt eine Reserve für die Vorsaison.
Kann man mit einem Campingplatz Geld verdienen?
Ja, wenn Kaufpreis, Kosten und eigener Lohn zusammenpassen. In Brandenburg lag die Cashflow-Rate 2022 laut BVCD-Studie im Median bei 29 % vom Umsatz, bei touristischen Plätzen bei 35,4 % und bei Dauercamping-Anlagen bei rund 15 %. Zieh deinen Unternehmerlohn, die Instandhaltung und den Kapitaldienst immer gesondert ab.
Wie wird ein Campingplatz bewertet?
Meist über das Ertragswertverfahren nach ImmoWertV. Vom Umsatz gehen alle Betriebskosten, die Instandhaltung und ein marktüblicher Unternehmerlohn ab. Den verbleibenden Reinertrag multiplizieren Sachverständige mit einem Vervielfältiger aus Liegenschaftszins und Restnutzungsdauer und addieren den abgezinsten Bodenwert. Eine Fachveröffentlichung nannte für Campingplätze 5,5 bis 7,5 % Liegenschaftszins. Für die Beleihung durch Pfandbriefbanken gelten bei Freizeitimmobilien mindestens 7,0 %. Sachwert und Multiplikatoren dienen nur als Gegenprobe.
Welche Kaufnebenkosten fallen an?
Grunderwerbsteuer von 3,5 % in Bayern bis 6,5 % in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein auf Grundstück und Gebäude, Notar und Grundbuch rund 1,5 bis 2 %, Maklerprovision laut Preisseiten der Anbieter 0 bis rund 3,6 % (im Einzelfall mehr, maßgeblich ist das Exposé) sowie Gutachten und Prüfung. Zusammen sind das je nach Land rund 6 bis 14 % des Kaufpreises.
Kaufen oder pachten: Was ist für den Einstieg besser?
Pacht braucht weniger Kapital und lässt dich den Betrieb kennenlernen, du baust aber kein Eigentum auf und investierst in fremden Grund. Als marktübliche Pacht gelten erfahrungsgemäß 8 bis 15 % vom Umsatz. Ein Mittelweg ist die Pacht mit Kaufoption. Verpflichtet sie die Eigentümerseite zum Verkauf, lass sie notariell beurkunden (§ 311b BGB), sonst droht sie unwirksam zu sein.
Wo finde ich Campingplätze, die zum Verkauf stehen?
Bei Spezialmaklern, auf nexxt-change und den Nachfolgebörsen der Kammern, in Gewerbe-Rubriken von Immobilienportalen, über kommunale Ausschreibungen und im ZVG-Portal für Zwangsversteigerungen. Gib zusätzlich ein eigenes Kaufgesuch auf. Wichtige Anlaufstellen sind die Spezialmakler 3flags-port, CampConsult, Deutscher Campingdienst und IIM, die Börsen DUB und nexxt-change, die Gewerbe-Rubrik von ImmoScout24 und das ZVG-Portal (alphabetisch, keine Empfehlung).
Gibt es Förderung für den Kauf eines Campingplatzes?
Ja, vor allem Förderkredite und Bürgschaften: den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge mit bis zu 500.000 € je Person und höchstens 35 % der Kosten, den ERP-Förderkredit KMU, Programme der Landesförderbanken und Bürgschaften bis 80 %. Zuschüsse wie die GRW gibt es meist für Investitionen nach dem Kauf, nicht für den Kaufpreis. Anträge stellst du vor dem Kaufvertrag.
Wie lange dauert der Kauf eines Campingplatzes?
Rechne eher in Monaten als in Wochen. Viele Campingplätze sind 6 bis 12 Monate am Markt, einzelne deutlich länger. Danach brauchen Prüfung, Finanzierung und Förderanträge Zeit. Nach dem Notartermin hat die Gemeinde bis zu drei Monate, um über ihr Vorkaufsrecht zu entscheiden (§ 28 Abs. 2 BauGB); erst dann wird der Kaufpreis fällig. Im Beispiel-Zeitplan dieses Ratgebers liegt zwischen Besichtigung und Übergabe gut ein Jahr. Plane die Übergabe für die Nebensaison.
Welche Voraussetzungen brauche ich, um einen Campingplatz zu betreiben?
Formal brauchst du eine Gewerbeanmeldung (§ 14 GewO), je nach Land eine Gaststättenerlaubnis oder -anzeige und für Kiosk oder Brötchenservice die Registrierung als Lebensmittelunternehmer:in sowie die Belehrung des Personals nach § 43 Infektionsschutzgesetz. Einen besonderen Befähigungsnachweis für Campingplätze sieht das Gewerberecht nach unserer Recherche nicht vor; frag im Zweifel beim Gewerbeamt nach. Faktisch entscheidet die Bank: Sie will Branchen-, Führungs- und kaufmännische Erfahrung sehen.
Zuletzt geprüft: Oktober 2026.
Quellen und Methodik
Methodik
- Angebotsauswertung: rund 80 öffentliche Inserate ganzer Campingplätze mit Preisangabe, abgerufen am 04.10.2026. Sie zeigt Angebotspreise, keine Kaufpreise, ist nicht repräsentativ und gerundet.
- Rechner und Rechenbeispiele: eigene Rechnung mit jährlicher Annuität. Alle Beispiele sind Modelle, keine echten Plätze.
- Erfahrungswerte: allgemeines Praxiswissen aus Kaufprozessen in der Branche, ohne Bezug zu einzelnen Plätzen.
Quellen
- § 613a BGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Camping-Übernachtungen 2025 auf Rekordniveau. Tageskarte. tageskarte.io. Abgerufen am 07.10.2026.
- Germany: first half of 2026 marked by a slowdown in arrivals and overnight stays. campingbusiness.eu. campingbusiness.eu. Abgerufen am 07.10.2026.
- BVCD-Campingstudie Brandenburg 2024, Zahlen 2022 (PDF). BVCD und Tourismusnetzwerk Brandenburg. tourismusnetzwerk-brandenburg.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- Entgeltatlas, Berufe der Betriebsleitung im Tourismus. Bundesagentur für Arbeit. web.arbeitsagentur.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2021) mit Anlage 1 (Gesamtnutzungsdauer). gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 04.10.2026.
- Prof. Ingold: Bewertung von Campingplätzen, Der Immobilienbewerter 6/2018 (PDF). immowert AG. immowert-ag.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- Ratgeber Finanzierung eines Campingplatzes. IIM. iim.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- DSCR erklärt. veltivo. veltivo.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 11 Beleihungswertermittlungsverordnung. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- § 12 Beleihungswertermittlungsverordnung. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- Anlage 3 Beleihungswertermittlungsverordnung. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- Grunderwerbsteuer je Bundesland. mehrwertsteuerrechner.de. mehrwertsteuerrechner.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 2 Grunderwerbsteuergesetz. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Notarkosten beim Hauskauf. Volksbanken Raiffeisenbanken. vr.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 550 BGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 311b BGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Gründerprogramm. Friday. fridaycamping.com. Abgerufen am 13.10.2026.
- Campingplatz am Bostalsee wird privatisiert. Rhein-Zeitung. rhein-zeitung.de. Abgerufen am 07.10.2026.
- § 24 BauGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Campingplatz kaufen: Tipps zum Kaufen, Eröffnen und Pachten. PiNCAMP. pincamp.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Campingplatz eröffnen. sevdesk. sevdesk.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077). KfW. kfw.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Merkblatt ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077), Stand 10.12.2025 (PDF). KfW. kfw.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Drucksache 21/1344 (PDF). Deutscher Bundestag. dserver.bundestag.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Förderdatenbank des Bundes. foerderdatenbank.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 10 BauNVO. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 35 BauGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 76 Wasserhaushaltsgesetz. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- BVerwG, Urteil vom 11.07.2013, 4 CN 7.12. Bundesverwaltungsgericht. bverwg.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 566 BGB. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 8 Wasserhaushaltsgesetz. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
- § 75 Abgabenordnung. gesetze-im-internet.de. gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 13.10.2026.
Keine Rechts- oder Steuerberatung. Alle Bilder sind Symbolbilder und mit KI erstellt. Änderungsprotokoll: Erstveröffentlichung im Oktober 2026.
